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4 Schritte zum Qualitätstourismus

Ich komme gerade von Krakau zurück und werde Zeugin, wie zerstörerisch Massentourismus sein kann. Das letzte Mal, als ich die gleichen Touristenattraktionen hier in der Stadt besuchte, ist 8 Jahre her. Die Stadt hat sich zu ihrem Nachteil verändert. Das Ergebnis ist, dass ich nicht zurückkommen werde und ich habe mit anderen Gästen gesprochen, die beschlossen, dass einmal genug ist. Aber wie ist das möglich? Wie konnte die Stadt das erste mal einen Eindruck hinterlassen, der mich mit Freuden zurückkommen liess und der mich das zweite Mal für immer verjagte?

 

1. Massen: Eine limitierte Zahl von Menschen, die sogar ein klein wenig mehr Geld ausgeben, würde die Qualität, den Ruf und den Wunsch zurückzukommen steigern. Das erfuhr ich, als ich das letzte Mal hier war. Der Preis vieler Dinge war niedriger.

 

Speziell 2 Sehenswürdigkeiten werden extensiv verkauft: Auschwitz, das Konzentrationslager und Wieliczka, die Salzmine. Die ersten Werbeanzeigen die ein/e Besucher/in über Attraktionen zu sehen bekommt, sind über diese beiden Plätze. Beide sind definitiv einen Besuch wert. Die erste wird wohl kein zweites mal besucht, aus dem einfachen Grund, weil das Thema Massenmord schwer verdaulich ist.

 

Aber bleiben wir hier bei touristischer Organisation: Sie ist viel besser, als vor ein paar Jahren, obwohl sie immer noch Verbesserungspotential hat. Der Hauptgrund warum ein zweiter Besuch unwahrscheinlich ist, ist einfach, weil das Anstellen und der Aufenthalt auf mit Menschen verstopften Plätzen nervtötend ist und einen anstrengenden Eindruck hinterlässt. Ja, manchmal ist es einfach nötig sich anzustellen. Aber da gab es viele Warteschlangen: Ein Ticket kaufen, Taschen abgeben, das einfache „Durch-das-Museum-gezerrt-werden“ war eine einzige, grosse Warteschlange, das Warten auf den Bus nach Birkenau, den zweiten Teil vom Lager, die Toilette, das Abholen des Audio-guides, die Körperkontrolle, Audio-guide Abgeben. Das Anstellen für ein Ticket dauerte lange, weil die Druckmaschinen für die Tickets langsam war und es viel zu erklären gab.

 

Eine ähnliche Situation ergab sich vor und in der Salzmine: Gepäckabgabe, Eintrittsticket, ... . Sie ist SEHR interessant. Aber: Nachdem sie ein zusätzliches Ticket für die Erlaubnis Photos und Filme zu machen verkauft hatten, war es irgendwie schwierig tatsächlich ein paar gute Photos zu bekommen, weil hinter der Gruppe, mit der man unterwegs ist, die nächste bereits wieder im Anmarsch ist. Du wirst im wahrsten Sinne des Wortes durchgedrückt.

 

2. Einstellung: Jedes einzelne Geschäft profitiert vom Tourismus und ihre Angestellten sollten darüber aufgeklärt werden. Etwas pädagogische Ausbildung darüber, wie Menschen in unterschiedlichen Situationen reagieren, ist sicher generell sehr positiv für ihr Geschäft. Es ist sehr entmutigend, sich schlecht fühlen zu müssen, nur weil man ein Tourist ist. Einheimische ignorieren Warteschlangen. Die Damen im Touristeninformationsbüro schienen etwas unmotiviert, der Ticketverkauf am Bahnhof funktionierte nicht wirklich, weil einfach IRGENDWELCHE Tickets verkauft wurden, nicht die, die man brauchte. 3 X habe ich nach einem Zug gefrag, den ich auf der Internetseite der polnischen Bahn gefunden hatte und trotzdem bekam ich kein Ticket für eben diesen. In einem kleinen Selbstbedienungsrestaurant im Bahnhof war ich sehr heiss auf ein polnisches Essen, das ich zu Hause nicht kriegen würde. Die Personen, die dort warteten, um bedient zu werden, sagten uns, dass wir zuerst bezahlen müssten. Die Verkäuferin ignorierte uns, also warteten wir vor dem Essen. Die Frauen, die versucht hatten uns zu helfen, bezahlten nachdem sie ihr Essen bekommen hatten. So dachten wir, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt hatte. Noch jemand kam, die Verkäuferin ignorierte uns wieder und servierte der nächsten Kundin, die auch bezahlte, nachdem sie ihr Essen bekommen hatte. Wir warteten geduldig, die Szene beobachtend. Noch eine Kundschaft kam und begann bedient zu werden, als ich dazwischen ging. Die Verkäuferin informierte mich, dass ich vorher bezahlen sollte und fuhr damit fort, die andere Person mit Essen zu versorgen, das sie vorher nicht bezahlt hatte. Nun, das war jetzt endgültig genug und wir gingen. Dies hinterlässt einen schlechten Eindruck für Gäste, die nicht zurückkommen werden, wenn sie so einen schlechten, ersten und letzten Eindruck auf ihrem Weg von zu Hause oder nach Hause bekommen.

 

3. Information: Wenn du informiert bist, bist du weniger nervös, entspannter, williger Geld auszugeben. Wir kauften ein Zugticket. Es war sehr positiv, verglichen mit vor ein paar Jahren, einen Ticketautomaten, der fähig war in unterschiedlichen Sprachen zu verkaufen, auf dem Bahnhof zu haben. Also waren wir zufrieden Zeit zu sparen, nicht gezwungen zu sein, sich für längere Zeit anzustellen. Wir fuhren mit dem Regiozug nach Auschwitz und am Rückweg erwischten wir einen Zug, der viel schneller war, einen Intercity. Unglücklicherweise mussten wir ein neues Ticket kaufen, weil das, welches wir gekauft hatten, nur in Regionalzügen gültig war. Wenn uns der Ticketautomat diese Option gegeben hätte, hätten wir wenigstens eine Ahnung davon gehabt. So konnten wir nicht einfach den fehlenden Betrag aufzahlen, nein: Ein neues Ticket musste gekauft werden. Zudem hinterliess der grinsende, kassierende Schaffner noch ein sehr unangenhmes Gefühl. Als wir zum Flughafen wollten, stiessen wir über eine ähnliche Situation: Die S-Bahn hatte eine Verspätung, was erst kurz vor der geplanten Abfahrt bekannt gegeben wurde, was dazu geführt hatte, dass wir ein Zugticket gekauft hatten, obwohl es darauf hinauslief, dass wir gezwungen waren, ein Taxi zu nehmen. Andererseits war es sehr hilfreich, bei der Ankunft vom Infoschalter über das Busprozedere für die Abfahrt vom Flughafen informiert worden zu sein (nur Bargeld, Abfahrtsort, ...).

 

4. Etwas mehr Toleranz: Wir brauchten Kleingeld für die Gepäckaufbewahrung: Geschäfte direkt daneben schickten uns weg: Benütze den Geldwechselautomaten vor der Toilette. Diese nahm nur 10er und 20er, ich hatte einen 50er und zweitens informierte die Maschine mit grossen Buchstaben darüber, dass sie nur für Toilettenbenützer wäre. Also ging ich zum „Wechselschalter“. Es stellte sich heraus, dass dieser nur in andere Währung wechselte. Der Schalter hatte uns am Vortag ignoriert, als wir Geld in die heimische Währung wechseln wollten: Die Person hinter der Glasscheibe machte einfach mit ihrer Arbeit weiter, ohne IRGENDEINE Notitz von uns zu nehmen. Also ging ich an diesem Tag zum Bankomaten. Alles war dort ok. Es hinterlässt trotzdem einen üblen Nachgeschmack. Ich zog los, um Tee und Kaffee zu kaufen, um den 50er klein zu bekommen.

 

Es ist ganz klar, dass du nicht immer alles vermeiden kannst und nichts wird je perfekt sein. Überraschungen und dadurch zu lernen, wie andere Leute leben und sich benehmen, ist Teil der Reiseerfahrung. Sich jedoch ausgenutzt und verarscht zu fühlen ist aber irritierend. Ein einfach lächelndes Gesicht ist hier viel wert und kann viele böse Gedanken heilen.

 

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