· 

Bizarre Situation im Flugzeug

Ich setze mich seitlich hin. So habe ich die Armlehne im Rücken. Mit der Jacke zur Hilfe, die eigentlich gegen die Eiseskälte der Klimaanlage hätte helfen sollen, halte ich mich so ca. eine halbe Stunde. Ich bemerke, wie der Vater etwas von der Stewardess möchte und nach vorne zeigt.

 

 

Über dem Ozean fliegen
Über dem Ozean fliegen

Die 2 Reihen direkt vor uns sind Business-Class, leer und dürfen leider nicht von solchen benützt werden, die sie nicht bezahlt haben. Das erfuhren wir von der Stewardess, als ich dem Dauergetrampel hinter mir durch Flucht entgehen wollte. Nun jedenfalls frage ich, ob er vor wolle und ob er denn mit uns Platz tauschen wolle?

 

Nein, so seine Antwort. Sie hatten nur ein Kissen wollen. Ich frage noch mal, wohl leider viel zu freundlich, ob er denn Platz tauschen wolle. Mit freundlichem Grinsen entschuldigt er sich für das Getrete und verneint. Tja, so einfach hätte es Frieden für den Rücken geben können. Aber Mr. Ich-bin-ein-toller-und-schöner-und-eingebildeter-Papa will es nicht. Nun kommt mir eine Idee: Ich klappe meinen Sitz soweit wie möglich nach hinten. Viel geht leider nicht. Aber toll ist das Gefühl, dass ich es ganz und gar ohne schlechtem Gewissen machen kann, denn mit dem gleichen freundlichen Grinsen im Gesicht hätte ich seine Frage nach dem neuerlichen Vorklappen des Stizes genussvoll verneint. Leider lässt sich der Sitz nur läppische 10 Zentimeter zuückklappen. Naja, was soll's:

 

 

Flug über Athen
Flug über Athen
Flug über Europa
Flug über Europa

Ich mache das Beste daraus und lege die Füsse auf die Armlehnen vor mir. Auch schön. So machen die leeren Business-Sitze doch noch einen Sinn. Der grinsende Dad hinter mir hat mir vorher zwar die Antwort entlockt, dass wir nicht auf die Sitze dürfen, was die Mutter seiner Kinder nicht davon abhält, es sich mit einem der Quälgeister nun da vorne bequem zu machen. Soweit ja nicht tragisch, wenn nun nicht die Bedrohung von vorne und hinten käme: Die Lady versucht mit ihren Ellbögen meine Füsse, abstützend auf die Vorderlehne platziert, zu verdrengen, während ihr Söhnchen von hinten weiter strampelt. Vorne beginnt nun ihr kleineres Töchterchen zu strampeln. Irgendwie fühle ich mich recht eingeklemmt. Zwischendurch lenke ich mich kurz mit dem tollen Blick über die Wolken ab. Dann bekomme ich mit, wie die Mum sich wieder zurücksetzt und die Stewardess wegen der Temperatur im Flieger anmeckert. Während ich mich gerade in mein weiches Kashmere hülle, um der klimatisierten Luft hier drinnen zu trotzen, höre ich hinter mir Klagen von viel zu heisser Luft hier drin. Abwechselnd kommt mal der ach-so-schöne Dad mit einem der  hyperaktiven Zwerge vor, mal Supermammi.

 

 

Versuche mich im Flugzeug zu entspannen
Versuche mich im Flugzeug zu entspannen

Um alle unsere Sinne zu erfassen wird die Szene mit dem Wechseln der Windeln kompletiert, was noch den wunderbaren Durf von Kinderscheisse im vorderen Bereich des Fliegers verbreitet. Dabei habe ich mich am Anfang des Fluges so über den tollen Platz ganz vorne am Fenster und in der Nähe des Einganges gefreut. Ich siniere darüber nach, wie ich wohl mit den Kindern umginge? Würde ich ihnen demonstrieren, wie es sich anfühlt an einem dauergetretenen Sitz zu verweilen? Oder würde ich Spiele mitnehmen, um sie zu beschäftigen? Es wurde zwischendurch mal ein bisschen turbulent. Gott sei Dank, so fallen die Tritte nicht mehr so arg auf. Die Turbulenzen geben sich und ich tue mir fast schon schwer, die Turbulenzen vom Kinterterror zu unterscheiden. Tja, warum habe ich nur zu dem Machopappa gesagt, dass es ok wäre und er ja nix dafür könne? Um nicht als Kinderhasserin identifiziert und dann am Zoll auch gleich noch als Kinderschänderin abtransportiert zu werden?

 

 

 

 

Sehe mir die Aussicht über den Wolken an
Sehe mir die Aussicht über den Wolken an

 

Das wird es wohl sein, zumal ich als Fremde einfach nicht das mindeste Recht habe, auch nur das Geringste am Benehmen der süssesten Geschöpfe der Welt auszusetzen. Ich frage mich wirklich, ob ich als Mum eine Chance hätte, es besser zu machen. Ich glaube schon, dass ich den Kindern irgendwie erklären, oder zeigen würde, dass ihre Gymnastikübungen für andere Leute sehr störend sind. Dieses Argument, dass sie zu klein sind, sie können ja nicht mal sprechen, lasse ich nicht gelten, denn ich halte Kinder für gescheiter als die meisten. Sie verstehen mehr, als wir oft denken und es liegt nun mal in ihrer Natur zu testen und auszuprobieren. Wenn sie mit ihren Verhaltensweisen so durchgekommen sind, die Grenze eben auf diesem Niveau gesetzt wurden, dann wird es für sie später schwieriger neue Grenzen vorgesetzt zu bekommen, wenn ein anderes Level als normal verinnerlicht wurde.

 

 

 

Ich bin mir auch sicher, dass Strenge nicht schadet, wobei ich erst mal zusehen würde, dass ich das Gröbste mit Beschäftigung vermeide. Die Eltern haben die Beiden ja nur gehalten, aber nichts mit ihnen gespielt. Sie wollten wohl auch dringend Aufmerksamkeit. Wie dem auch sei, sie sind in diesem Moment einfach kleine Monster und ich frage mich, ob ich das als Mum aushielte und hoffe ganz stark, nicht in diese Situation zu kommen, bzw. niemals Mitreisende in diese Situation zu bringen. Ich spüre nämlich Kreislaufprobleme in mir aufsteigen: Heisser Kopf, leichte Übelkeit, die wohl von der Anspannung und negativen Energie hinter mir kommen müssen. Kurz habe ich noch Horrorvorstellungen von den vier Herrschaften im Nebenzimmer unseres Hotels oder noch schlimmer, mit ihnen an Bord des Tauchschiffes zu gehen.

 

 

 

Ich verlasse fluchtartig den Flieger: Ich bin die Erste draussen. Juhu. Ach, welch Erleichterung! An der Gepäckausgabe wechselt mein Liebster noch ein paar Worte mit den Eltern der Monster, ein Kurzgespräch, an dem ich mich einfach nicht beteiligen kann. Ich spiele Geschäftigkeit.

 

Es ist schön: Wir werden von freundlich grinsenden, nette Musik spielenden, singenden Einheimischen empfangen. Mit ihren geblümten Hemden vermitteln sie gleich eine Inselatmosphäre, sodass das längere Anstellen bei den Zollbeamten unmittelbar darauf nicht so schlimm ausfällt.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0